Als am nächsten Tag um Punkt 10:00 Uhr
die königliche Kutsche aus schwarzem Elfenbein vorfuhr, ließ es
sich der Oberzwerg nicht nehmen, die Zügel persönlich in die Hand zu
nehmen. Das Museumsdorf liegt südlich von Berlin und die Fahrt würde
lang werden. Unterwegs holte man wieder die Tochter des Zwerges ab
und fuhr dann ins Museumsdorf, welches nach etwa 90 Minuten pünktlich
erreicht wurde. Der königliche Parkplatz war reserviert und so
konnte der Tross des Königs gleich mit der Besichtigung des Dorfes
beginnen.
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| Inkognito |
Da der König das Dorf quasi Inkognito besuchte gab es erst
einmal keinen allzugroßen Auflauf. So konnte der König fast
unerkannt durchs Dorf gehen. Zuerst interessierte sich der König für
eine Rinderherde mit seltsamen Buckeln auf dem Rücken. Hier roch es
etwas streng und der König beeilte sich weiter zu kommen. Im
Eierladen sagte man ihm, dass die komischen Rinder afrikanische Zebus
seien, die hier gezüchtet werden. Zebufleisch hatte der Laden aber
nicht. Dafür gab es neben Eiern von Hühnern und Puten auch
Ziegenkäse und Ziegenschinken. Eine Verkostung lehnte der König
aber vehement ab. Schließlich hatte er die lieben Ziegen aus dem
Garten in Britz noch gut in Erinnerung. Ein wenig nachdenklich
besuchte der König anschließend die Lehmbauschule.
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| Bauen mit Lehm - Bauen mit Zukunft |
Hier konnte man
offensichtlich lernen, wie mit dem alten Werkstoff Lehm neu gebaut
wurde. Leider war keiner da, der Näheres hätte erläutern können
und so ging der König weiter. Er kam mit seinen Begleitern zu einer
alten Gleisanlage und Bahnhofsgebäuden. Hier wurde in früheren
Jahren das erzeugte Glas in alle Welt verfrachtet. Jetzt gab es in
den Läden Geschäfte und eine Galerie. Als erstes besuchte der König
einen Schneider. Weil dieser Angst hatte, dass jemand seine Entwürfe
klaut war dort das Fotografieren verboten. Das tat dem König
besonders leid, weil der Schneider und seine Frau auch Garderobe in
den königlichen Größen führte. Der König ging weiter zu einer
Hutmacherin. Hier durfte er sogar einen Hut aufsetzen der ihm sehr
gefiel.
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| Turbanhut |
Erst als man ihm mitteilte, dass die ein Hut eigentlich für Damen sei,
trennte er sich widerwillig von dem Turbanhut. Dafür kaufte sich
die Tochter des Zwerges einen schönen Hut, der eigentlich für
Männer gedacht war. Eine verrückte Welt! Etwas verwirrt verließ der König den Laden.
Nach einer kurzen Verschnaufpause auf einer Lore ging es zum nächstem
Geschäft. Dort war der König in seinem Element. Er kaufte sich
eine große Glaskugel und hätte sicher noch mehr gekauft, wenn er
gewusst hätte, wo der die Dinge zu Hause lassen sollte. Sein Schloss
war schon vollgestellt mit Dingen von seinen Reisen und er musste
aufpassen, dass es nicht noch mehr Sachen wurden, die seine dann
Diener jeden Tag abstauben mussten. Weiter ging der König und
beobachtete einen Holzschnitzer, einen Schmuckhersteller und einen
Steinmetz bei der Arbeit. Interessiert schaute er sich danach die
vielen Ausstellungsstücke dieser Handwerker an. Besonders gefiel ihm
der Schmuck.
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| Lupenblick |
Auch die Lupe, unter der dieser kostbare Schmuck entstand,
unterzog er einer eingehenden Betrachtung. Vieles hatte der König
nun schon gesehen - einen Glasbläser hatte er aber noch nicht
gesichtet. Doch ein gewaltiges Fauchen brachte ihn auf den richtigen
Weg. Die Gasflamme mit der der Glasbläser in seinem kleinen Laden
das Glas erwärmte, war schon gewaltig. Eine Weile sah der König dem
Glasbläser zu, dann bestaunte er die vielen herrlichen Gläser,
Schalen und Pokale.
In der Museumswerkstatt zeigten weiterer
Glasbläser ihre Kunst. Hier gab es auch große Gasöfen, die viel
Hitze ausstrahlten. Der Glasbläser zeigte, wie man einen Römer
herstellt. Als Zugabe machte er noch ein Glaspferdchen.
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| Am Höllenloch |
Mächtig beeindruckt versuchte der
König ein Glasblasrohr zu heben und hinein zu blasen. Das gelang nur
weil ihm der starke und stämmige Zwerg half.
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| Bläser |
Danach besuchte der König noch eine Ausstellung zu Ehren des Erfinders der Thermoskanne, dessen Namen ihm
schon wieder entfallen ist. Wahrscheinlich hieß er Thermos. Er besichtigte die Maschine, mit der man
die Glaskolben von Thermoskannen herstellte und nahm Einblick in die
Geschichte der Thermoskannenherstellung. Seeehr interessant! Zum Schluss trug er sich
noch in das Gästebuch des Museums ein. Dabei kamen ihm seine
Kenntnisse über alte Schreibmaschinen sehr zu Gute.
Nachdem man das Glaswerk und die
Glasherstellung ausgiebig betrachtet hatte wurde es Zeit für eine
Pause, doch die Zwerginnen dachten angesichts der vielen herrlichen
Läden noch lange nicht an eine Rast. Der König wurde darob ein
wenig ungehalten und setzte sich auf eine Bank und ließ die Damen
allein ziehen. Der Zwerg, als guter Gastgeber bekannt, leistete dem
König Gesellschaft und sie erzählten sich Geschichten aus ihrer
bewegten Vergangenheit. So verging die Zeit wie im Fluge und bald
hatten auch die Zwerginnen genug gesehen. Es war Zeit für einen kräfigen Kaffee. Den trank man in einer kleinen Herberge, welche gleichzeitig eine
Töpferei beherbergte. So wurde Kaffee und Kuchen in selbst
getöpfertem Geschirr kredenzt. Das gefiel dem König so sehr, dass
er fast das Essen vergaß.
Nach dem Kaffee besuchte der König
noch einen Kräutergarten. Im angrenzenden Areal entdeckte der König
ein königliches Kaninchen im echten Hermelinpelz. Der König begrüßte es
seiner edlen Kleidung entsprechend. Das Kaninchen war sehr freundlich, aber auch etwas ängstlich.
Da es, wie es bald merkte, dafür keinen Grund gab, freundete man sich an.
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| Königliches Hermelin |
Zum Schluss durfte der König noch ein
kleines Zicklein taufen. Er taufte es zu Ehren seiner Gastgeber auf
den Namen Laurin.
Als der König an diesem Abend die
vielen schönen Bilder sah, dankte er seinen Gastgebern und sagte,
dass er vielleicht eines Tages wieder einmal die Zwergenfamilie
begleiten würde. Zum Abend gab es noch einmal ein festliches Mahl.
Allerdings war der König über die etwas gedankenlose Wahl des
Zwerges für das Menü nicht allzu begeistert. Auch wenn ihm seine
Diener sagten, dass Lammkeule durchaus zur Ostertradition gehörte,
dachte der König beim Essen doch über die 7 kleinen Lämmer nach,
die im Britzer Garten fröhlich über die Wiese gehopst waren und
bekam keinen Bissen herunter.
Trotzdem würdigte der König die
Anstrengungen des Zwerges und seiner Familie und bedankte sich für
den überaus herzlichen Empfang, die schöne Zeit und die vielen
Einsichten, die er wieder einmal in das Leben seiner Untertanen
nehmen konnte.
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Gastbeitrag von Zwergi
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