"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde"
Karl Valentin

Samstag, 14. April 2012

Des Königs Reise zum Museumsdorf Glashütte


Als am nächsten Tag um Punkt 10:00 Uhr die königliche Kutsche aus schwarzem Elfenbein vorfuhr, ließ es sich der Oberzwerg nicht nehmen, die Zügel persönlich in die Hand zu nehmen. Das Museumsdorf liegt südlich von Berlin und die Fahrt würde lang werden. Unterwegs holte man wieder die Tochter des Zwerges ab und fuhr dann ins Museumsdorf, welches nach etwa 90 Minuten pünktlich erreicht wurde. Der königliche Parkplatz war reserviert und so konnte der Tross des Königs gleich mit der Besichtigung des Dorfes beginnen.
Inkognito

Da der König das Dorf quasi Inkognito besuchte gab es erst einmal keinen allzugroßen Auflauf. So konnte der König fast unerkannt durchs Dorf gehen. Zuerst interessierte sich der König für eine Rinderherde mit seltsamen Buckeln auf dem Rücken. Hier roch es etwas streng und der König beeilte sich weiter zu kommen. Im Eierladen sagte man ihm, dass die komischen Rinder afrikanische Zebus seien, die hier gezüchtet werden. Zebufleisch hatte der Laden aber nicht. Dafür gab es neben Eiern von Hühnern und Puten auch Ziegenkäse und Ziegenschinken. Eine Verkostung lehnte der König aber vehement ab. Schließlich hatte er die lieben Ziegen aus dem Garten in Britz noch gut in Erinnerung. Ein wenig nachdenklich besuchte der König anschließend die Lehmbauschule.

Bauen mit Lehm - Bauen mit Zukunft
Hier konnte man offensichtlich lernen, wie mit dem alten Werkstoff Lehm neu gebaut wurde. Leider war keiner da, der Näheres hätte erläutern können und so ging der König weiter. Er kam mit seinen Begleitern zu einer alten Gleisanlage und Bahnhofsgebäuden. Hier wurde in früheren Jahren das erzeugte Glas in alle Welt verfrachtet. Jetzt gab es in den Läden Geschäfte und eine Galerie. Als erstes besuchte der König einen Schneider. Weil dieser Angst hatte, dass jemand seine Entwürfe klaut war dort das Fotografieren verboten. Das tat dem König besonders leid, weil der Schneider und seine Frau auch Garderobe in den königlichen Größen führte. Der König ging weiter zu einer Hutmacherin. Hier durfte er sogar einen Hut aufsetzen der ihm sehr gefiel.
Turbanhut
Erst als man ihm mitteilte, dass die ein Hut eigentlich für Damen sei, trennte er sich widerwillig von dem Turbanhut. Dafür kaufte sich die Tochter des Zwerges einen schönen Hut, der eigentlich für Männer gedacht war. Eine verrückte Welt! Etwas verwirrt verließ der König den Laden. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf einer Lore ging es zum nächstem Geschäft. Dort war der König in seinem Element. Er kaufte sich eine große Glaskugel und hätte sicher noch mehr gekauft, wenn er gewusst hätte, wo der die Dinge zu Hause lassen sollte. Sein Schloss war schon vollgestellt mit Dingen von seinen Reisen und er musste aufpassen, dass es nicht noch mehr Sachen wurden, die seine dann Diener jeden Tag abstauben mussten. Weiter ging der König und beobachtete einen Holzschnitzer, einen Schmuckhersteller und einen Steinmetz bei der Arbeit. Interessiert schaute er sich danach die vielen Ausstellungsstücke dieser Handwerker an. Besonders gefiel ihm der Schmuck.

Lupenblick
Auch die Lupe, unter der dieser kostbare Schmuck entstand, unterzog er einer eingehenden Betrachtung. Vieles hatte der König nun schon gesehen - einen Glasbläser hatte er aber noch nicht gesichtet. Doch ein gewaltiges Fauchen brachte ihn auf den richtigen Weg. Die Gasflamme mit der der Glasbläser in seinem kleinen Laden das Glas erwärmte, war schon gewaltig. Eine Weile sah der König dem Glasbläser zu, dann bestaunte er die vielen herrlichen Gläser, Schalen und Pokale.


In der Museumswerkstatt zeigten weiterer Glasbläser ihre Kunst. Hier gab es auch große Gasöfen, die viel Hitze ausstrahlten. Der Glasbläser zeigte, wie man einen Römer herstellt. Als Zugabe machte er noch ein Glaspferdchen.

Am Höllenloch
 Mächtig beeindruckt versuchte der König ein Glasblasrohr zu heben und hinein zu blasen. Das gelang nur weil ihm der starke und stämmige Zwerg half.

Bläser
 Danach besuchte der König noch eine Ausstellung zu Ehren des Erfinders der Thermoskanne, dessen Namen ihm schon wieder entfallen ist. Wahrscheinlich hieß er Thermos. Er besichtigte die Maschine, mit der man die Glaskolben von Thermoskannen herstellte und nahm Einblick in die Geschichte der Thermoskannenherstellung. Seeehr interessant! Zum Schluss trug er sich noch in das Gästebuch des Museums ein. Dabei kamen ihm seine Kenntnisse über alte Schreibmaschinen sehr zu Gute.
Nachdem man das Glaswerk und die Glasherstellung ausgiebig betrachtet hatte wurde es Zeit für eine Pause, doch die Zwerginnen dachten angesichts der vielen herrlichen Läden noch lange nicht an eine Rast. Der König wurde darob ein wenig ungehalten und setzte sich auf eine Bank und ließ die Damen allein ziehen. Der Zwerg, als guter Gastgeber bekannt, leistete dem König Gesellschaft und sie erzählten sich Geschichten aus ihrer bewegten Vergangenheit. So verging die Zeit wie im Fluge und bald hatten auch die Zwerginnen genug gesehen. Es war Zeit für einen kräfigen Kaffee. Den trank man in einer kleinen Herberge, welche gleichzeitig eine Töpferei beherbergte. So wurde Kaffee und Kuchen in selbst getöpfertem Geschirr kredenzt. Das gefiel dem König so sehr, dass er fast das Essen vergaß.
Nach dem Kaffee besuchte der König noch einen Kräutergarten. Im angrenzenden Areal entdeckte der König ein königliches Kaninchen im echten Hermelinpelz. Der König begrüßte es seiner edlen Kleidung entsprechend. Das Kaninchen war sehr freundlich, aber auch etwas ängstlich. Da es, wie es bald merkte, dafür keinen Grund gab, freundete man sich an.

Königliches Hermelin
Zum Schluss durfte der König noch ein kleines Zicklein taufen. Er taufte es zu Ehren seiner Gastgeber auf den Namen Laurin.
Als der König an diesem Abend die vielen schönen Bilder sah, dankte er seinen Gastgebern und sagte, dass er vielleicht eines Tages wieder einmal die Zwergenfamilie begleiten würde. Zum Abend gab es noch einmal ein festliches Mahl. Allerdings war der König über die etwas gedankenlose Wahl des Zwerges für das Menü nicht allzu begeistert. Auch wenn ihm seine Diener sagten, dass Lammkeule durchaus zur Ostertradition gehörte, dachte der König beim Essen doch über die 7 kleinen Lämmer nach, die im Britzer Garten fröhlich über die Wiese gehopst waren und bekam keinen Bissen herunter.
Trotzdem würdigte der König die Anstrengungen des Zwerges und seiner Familie und bedankte sich für den überaus herzlichen Empfang, die schöne Zeit und die vielen Einsichten, die er wieder einmal in das Leben seiner Untertanen nehmen konnte.

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Gastbeitrag von Zwergi

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