"Fremd ist der Fremde nur in der Fremde"
Karl Valentin

Mittwoch, 11. September 2013

Des Königs Reise nach Bremen und Bremerhaven

Des Königs Weg sollte als nächstes in das kleinste Bundesland Deutschlands führen, in die Freie Hansestadt Bremen. Allerdings wollte seine Majestät nach anstrengender Fahrt nicht im Trubel der Großstadt nächtigen. Er befahl, ein geeignetes Lager vor den Toren der Stadt zu suchen - wie auch schon die Bremer Stadtmusikanten es taten. In der Stadt Achim (die heißt wirklich so), gelegen an der Weser, konnte der König im Landhaus Wesermarsch sein Haupt zur Ruhe betten, reichhaltiges Frühstück inklusive.

An der Weser hellem Strande
Am nächsten Tag, frisch gestärkt, fuhr ein Sonderzug mit dem König und seinen Leuten in die Innenstadt von Bremen. Wegen des wenig königlichen Wetters wurde auf eine Besichtigung des Hafenbereichs verzichtet und nur die Innenstadt erkundet. Erstes Ziel war das metallene Denkmal der Stadtmusikanten, wo der König in Andenken an Hahn, Katze, Hund und Esel einen Kranz niederlegt. Beim stillen Gedenken fiel dem König auf, dass diese Musikanten die Stadt Bremen ja eigentlich nie erreichten. Aus der niedergeschriebenen Geschichte dieser vier Gesellen geht doch klar hervor, dass sie, nachdem sie die Räuber verjagden, in dem Gasthaus verblieben. Warum schmückt sich dann die Stadt Bremen mit diesen Berühmtheiten? Warum werden Touristen mit allerlei Krimskrams mit den Konterfeis der Stadtmusikanten über den Tisch gezogen? 

Stadtkappelle mit König
Der König wird diese Sache bei nächster Gelegenheit zur Sprache bringen. Wo und bei wem, das weiß er noch nicht.

Weiter ging es dann mit einer Führung durch den Dom und einer Audienz beim Roland von Bremen, dem steinernen Gesellen. Ein Rundgang durch das Gassenviertel Schnoor, dem ältesten Teils von Bremen, sollte Abschluss des Tages sein.
Aber da hatte der König die Rechnung ohne die mitreisenden Hofdamen gemacht. Viele Händler in ihren gläsernen Häusern boten ihre Waren feil und wie fast immer verfielen die Weibsbilder den Verlockungen der Glasperlen, Seidenstoffen und funkelnden Kinkerlitzchen. Des Königs Laune hat sich dabei nicht gebessert. Nach gefühlt mehreren Stunden unsinnigen Wartens konnte es dann aber doch wieder zur Herberge gehen.
Am nächsten Tag wurde noch ein Besuch der Stadt Bremerhaven in Angriff genommen. Eine wenig einladend wirkende Innenstadt wurde von prachtvollen und großen Glasgebäuden am Ufer abgelöst.

Sooo weit ist das Meer
Ein längerer Spaziergang führte den König an Klimahaus, Schifffahrtsmuseum, Alter Schleuse, Atlantic Hotel und dem Zoo am Meer vorbei. Am amüsantesten fand er jedoch den Willy-Brandt-Platz. Dort waren neben dem Denkmal für die Auswanderer viele Fische aufs Pflaster gemalt, die aus dem Meer zu flüchten schienen.

Wie ein Fisch auf dem Trockenen

Der darauf folgende Besuch im Zoo am Meer hat dem König nicht so gefallen. Die Gehege für den Eisbären, die Robben und Seelöwen sind zwar recht schön und nach menschlichem und königlichen Ermessen recht idyllisch, aber doch ein armseliger Ersatz für die freie Wildnis. Nur die einheimischen Nordseeschimpansen schienen sich echt wohl zu fühlen. Sie sind sicher an das Nordseeklima dort in Bremerhaven gewohnt und wollen auch bestimmt nicht in irgendwelche warme Regionen.

Königliche Wehmut
Nach dem Zoobesuch fuhr die königliche Delegation zum Fischereihafen. Dort boten die Fahrensleute leckere Fischmalzeiten an. Der König probierte Limanda-Filet an Diijonsenfsoße auf Bratkartoffeln. Es war sehr lecker. Der König ließ dem Koch durch die Küchenmamsell Grüße ausrichten. Nach dem Essen besichtigte seine Plüschigkeit die Fangflotte der Bremerhavener Fischer. In kurzen Gesprächen erkundigte er sich nach den Arbeitsbedingungen der Fischfänger. Sie waren sehr gut.

Wolfgraues Fischerboot (Typ XXI)

Aber dann wurde der König müde und befahl die Rückkehr in die Heimat.
Auf der Rückfahrt ins Märkische wurde der König das Gefühl nicht los, schon einmal in Bremen und Bremerhaven gewesen zu sein. "Vielleicht fehlt mir da eine Erinnerung?" dachte er.
Hoffentlich klärt sich das noch ...


Weitere Bilder aus Bremen

Weitere Bilder aus Bremerhaven

Donnerstag, 15. August 2013

Des Königs Reise nach Ägypten

Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
vorausgesetzt man hat die Mittel.
Wilhelm Busch 





Ägypten! Diese Einladung schlägt der König garantiert nicht aus. Also nichts wie den Rucksack und den Kulturbeutel gepackt und los ging es mit dem Flieger an das Rote Meer.

König mit Braids

Der kleine Herrscher erwartete zunächst eine kleine Kulturreise durch die Geschichte der Menschheit im Lande der Pharaonen, aber aufgrund des Desinteresses der Reisebegleiter wurde darauf verzichtet und das Lager gleich im Badeort Hurghada aufgeschlagen.
Routenplanung




Die Pyramiden und den Sphinx konnte der König ja aus der Reiseflughöhe von 30 000 ft bewundern.
Was er dann auch tat.

Zärtlichkeiten am Roten Meer



In Hurghada, der Touristenhochburg am Roten Meer, ging es gleich nach dem Einchecken im Hotel an den Strand mit den Wasserrutschen. Die Begleiter des Königs und auch er selbst genossen die Sonne, den Strand und die Rutschen in vollen Zügen bis die Haut runzlig wurde.





Abends ließen dann die Gastgeber ordentlich auftafeln, so dass sich die Tische unter der Last der Speisen und Getränke bogen. Verschiedene gebratene Tiere, exotische Früchte und gesottenes Meeresgetier liebkosten des Königs Zunge. Um den Abend abzurunden, wurden die Kinder ins Bett geschickt und an der Hotelbar noch einige bunte Cocktails geschlürft. Morgens dann reizte die grelle Sonne des Königs Augen.
Eine Sonnenbrille war vonnöten.


Ganz in Familie

So oder ähnlich, mit geringen Abweichungen, verliefen die meisten Tage des Urlaubs.







Des Königs Bitte, einen Anfängerkurs im Schnorcheln zu buchen, um dann in den klaren Wassern des Roten Meeres nach versunkenen Schiffen und lieblich umherschwimmenden bunten Fischen zu tauchen, wurde leider nicht entsprochen.
Traurig spielte seine Plüschigkeit mit seiner kleinen blauen Taucherbrille und bereute die getätigte Investition in dieses Equipment.
Fellkönig
Als Ersatz wurde dem König ein Besuch im Plastiktierpark angeboten. Dankend schlug er diese Offerte aus.
So mussten die mitreisenden Kinder, respektive Jugendliche, allein diesen Zoo anschauen.
Der König ging währenddessen an den Strand und rutschte eine Weile die Wasserrutsche hinunter.

So verging die Zeit und dann war auch schon ruck-zuck der Urlaub wieder vorbei. Die Taschen wurden gepackt und wieder ging es ab mit dem Flieger, heim auf das Sofa.

Die blaue Brille













Die kleine blaue Taucherbrille hat der König am Strand vergessen.

Sonntag, 28. Juli 2013

Des Königs Floßfahrt in Potsdam

Auf großer Fahrt
In des Königs Landen herrschte in den letzten Wochen eine große Hitze. Dem König war selbst in den kühlsten Räumen seines Schlosses immer noch zu warm. (Auf die Idee, seine Robe abzulegen, kam er ja nicht). Alle Möglichkeiten, seinen Körper abzukühlen, hat er schon ausprobiert, aber nichts half wirklich.
So ließ er seine Berater zu sich kommen, die ihm neue Ideen liefern sollten, um die Hitze erträglicher zu machen. Einer von den Weisen schlug nach langer, heftiger Debatte eine Floßfahrt auf heimischen Gewässern vor. Das fand der kleine Herrscher interessant.

Nach kurzer Planungszeit bezüglich der Verpflegung konnte recht flink ein Floß beim ortsansässigen Floßvermieter geordert werden und der König und seine Getreuen versammelten sich am Kai.
Als erstes wurden Getränke und bratfertiges Fleisch verladen. Erst danach begaben sich der Herrscher und seine Leute auf das schwimmende Gefährt.
Der König befahl seinem Steuermann einen Kurs und schon konnte es losgehenschwimmen.
Bald nach dem Ablegen wurde der Proviantmeister beauftragt, gemeinsam mit dem Smutje die Zubereitung der Speisen in Angriff zu nehmen und keine Maulaffen feil zuhalten.

Fleisch und andere Gerichte
Während der Wehrübung

Aus Furcht vor Piraten wurden auch Verteidigungswaffen mit an Bord genommen. Der Ernstfall konnte in einer vom König angeordneten Übung geprobt werden Der König war vom Zusammenwirken seiner Sicherheitskräfte angetan und konnte so die Fahrt sorgenfrei genießen.
Der Kurs, den des Königs Floß einschlug, kann von Abenteuerlustigen Bloglesern nachgefahren werden.

  Hier sind die nautischen Daten dafür.


Für diejenigen, die sich dieses Abenteuer nicht zutrauen, folgt eine Beschreibung der Reise.

Anfangs wurde Kurs Nord-Ost eingeschlagen, um den Tiefen See zu queren und die Glienicker Brücke zu erreichen. Unterwegs konnte der König am Ufer, das immer in Sichtweite blieb, das Babelsberger Schloss bewundern. Als des Königs Floß die Meerenge von Glienicke erreicht, die von der kühnen Konstruktion der Glienicker Brücke überspannt wurde, staunte er nicht schlecht ob der technischen Meisterleistung der Konstrukteure.
Wegen der starken Strömungen musste des Königs Steuermann im Zick-Zack-Kurs  diese Wasserstraße durchfahren ehe mit dem Jungfernsee wieder ruhiges Gewässer erreicht wurde.
Wieder weiter Kurs Nord-Ost und nach kurzer Fahrt erreichte das Floß die Kirche von Sacrow, deren Turm nach Restaurierung wieder in altem Glanz erstrahlte.

Inzwischen konnte der Smutje erste Erfolge aus der Kombüse vermelden.

O la la
Fleisch und Würste waren auf dem Holzkohlengrill fertig gebraten und verströmten rauchigen Duft auf dem Floß. Der König ließ auftafeln und verspeiste auch höchstselbst von jedem Tier eines. Dazu gab es frisches Weizengebäck und verschiedene Salate. Nach dem Mahl lobte der König den Koch und erlaubte ihm, später ein Bad im klaren Havelwasser zu nehmen. Zur besseren Verdauung ließ der König eine Portion Küstennebel für jedes Besatzungsmitglied kommen. Ausgenommen davon war natürlich der Steuermann, der einen Himbeertrunk erhielt.


In der Takelage

Zwischenzeitlich war das Floß in einer ruhigen Bucht nahe der Pfaueninsel angekommen, der König ließ Anker werfen und die Maschinen stoppen. Die hart schuftende Besatzung hatte eine Pause verdient und der Smutje wollte ja auch noch baden. In dieser Idylle hörte sich der König die Sorgen und Nöte seiner Untertanen an und nahm sich im Stillen vor, so eine Fahrt im nächsten Jahr wieder zu machen.
Vertrauliches Gespräch










Jetzt aber war Showtime angesagt! Der Koch hatte sein Badegewand angelegt und sprang vor des Königs Augen mit einem so genannten Kopfsprung in die See. Er schwamm einige Runden und belustigte den König mit kleinen Pantomime-Stücken. So machte er zum Beispiel gekonnt einen Seehund nach. Der König amüsierte sich köstlich.

Seehund in Not

Nachdem der Smutje (unter großen Anstrengungen) wieder an Bord war, wurde klar Schiff für die Rückfahrt gemacht. Der Müll wurde verklappt, die Besatzung verrichtete ihre Notdurft, restliches Weizengebäck wurde an einheimische Wassertiere verfüttert. 

Experten auf der Brücke
Während der Rückreise stand der König bei seinem Steuermann auf der Brücke und erfüllte seine Pflichten als Kapitän gewohnt souverän. Er musste gut aufpassen, seine Besatzung war schon müde und konnte sich kaum noch sicher auf den Beinen halten. Da aber keiner von ihnen noch kurz vor dem Heimathafen kielgeholt werden wollte, murrte niemand und das Floß legte sicher wieder am Kai an.




Im Hafen lud der König seine Leute noch auf ein Bier ein und bedankte sich bei seinen Getreuen für die schöne Fahrt
Ahoi

Album mit vielen weiteren Bildern
Des Königs Crew

Dienstag, 14. Mai 2013

Des Königs Besuch bei der Tulipan

Schönes Wetter, Sonne und laue Lüfte – da möchte der König die Natur genießen. Auf Anraten eines Bekannten besuchte er die Tulipan, die jährliche Tulpenausstellung im Britzer Garten in Berlin.


Vieltausend schöne Tulpen
Schon kurz nach dem Eingang in den Garten empfingen den König viele schöne Tulpen auf Obstwiesen – ein sehr romantischer Anblick.

Hier ist die Eine








Aber er besah sich auch andere blühende Pflanzen, Sumpfdotterblumen und Märzenbecher zum Beispiel. Aufgrund fundierter naturwissenschaftlicher Kenntnisse konnte er diese Pflanzen sofort und ohne Zögern bestimmen. Seine Begleiter staunten nicht schlecht!


Eine Art Flieder?!?











Allerdings ließen den König auch während seines Erholungsspaziergangs die Pflichten als Landesvater nicht los. So inspizierte er Wegbeleuchtungen, Rettungseinrichtungen für unachtsame Besucher sowie wieder einmal den ordnungsgemäßen Zustand des parkeigenen Schienensystems.


Bleibe ruhig - Hast schadet!
Das Licht ist ordnungsgemäß aus












Den Betrieb der Parkeisenbahn hat er aufgrund technischer Mängel vor Jahren auf Eis legen lassen müssen. Traurigerweise hat sich der Zustand nicht gebessert, so dass die Loks weiter im Depot bleiben müssen.

Da fährt nix













Seine Güte und Freundlichkeit gegenüber jedermann bewies der kleine Herrscher, als er Bediensteten, die die Parkanlagen pflegten, aufmunternde Worte („Weiter so!“) zurief.

Das geht sicher auch schneller!






Tulpenstangen für Brechtulpen


Kelche groß wie Maßkrüge











Nach Besichtigung weiterer Tulpenanpflanzungen kam er zu einer Brunnenplastik, die ihn sehr amüsierte. Dort entdeckte er viele lustige Figuren, die mit dem Wasser zu interagieren schienen. Sehr schön.

Igittigitt



Was tun die da?











Weitere Gehminuten über grüne Wiesen und durch schattige Baumansammlungen und seine Plüschigkeit hatte Durst. Er befahl einen Zwischenstopp an einem Imbiss. Dort gab es für den kleinen König Waffeln mit Puderzucker und einen Kaffee im Pappbecher. Er war gut, trotz Pappbecher, der Kaffee.










So langsam ging es dann wieder Richtung Ausgang, so groß ist ja der Park auch nicht.

Häuptling Gespaltenes Dreick


Noch schnell einen Pflichtbesuch am Denkmal des gespaltenen Dreiecks und schon war der Ausflug zu Ende.
Aber der König wird wiederkommen.




 

Weitere Bilder vom Britzer Garten

Freitag, 26. April 2013

Des Königs Reise nach Florida

Günstige Gelegenheiten sollte man nicht ausschlagen. Diese alte Weisheit beherzigte der König, als er das Angebot erhielt, eine Reisegruppe nach Florida, dem Wartezimmer Gottes, zu begleiten.
Recht kurzfristig, so dass beim König leichte Panik ausbrach, mussten Sachen gepackt und jemand zum Blumen gießen gesucht werden.

Ich bin reich!
Generalprobe zu Haus
 Außerdem brauchte er noch landestypisches Geld. Das Geld aus des Königs Heimat konnte man nicht zu den traditionellen amerikanischen Röhrchen formen, die man ja brauchte, um verschiedene Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen.




Abschied vom treuen Freund


Aber die Vorbereitungen konnten rechtzeitig abgeschlossen werden; schnell noch ein Abschiedsgruß an den Schneemann, den treuen Freund der letzten sechs Monate in Deutschland; und hui, schon ging über Berlin Tegel und Barcelona nach Miami. 







Das Hui über den Atlantischen Ozean zog sich allerdings hin, in den engen Sitzreihen des Fliegers schliefen des Königs Beine mehrmals ein und durch das Guckloch der Fluggastzelle sah er stundenlang nur Wasser. Es war deprimierend. Aber gleich nach der Landung verschwand die negative Stimmung. Warme Sonnenstrahlen liebkosten des Königs Haupt, das hat er seit Monaten nicht mehr erlebt. Schnell wurden die dicken Wintersachen aus dem trüben Europa ausgezogen und ganz tief in die Tasche gesteckt. So, jetzt konnte der Urlaub losgehen.



483 LCH
Als erstes inspizierte der König den bereitgestellten Wagen, der ihn über die Highways von gods own country tragen sollte. Ein monströser schwarzer Ford wartete und ... er gefiel dem kleinen Herrscher ausnehmend gut.





  Der erste Ausflug der Reise führte die Gruppe nach Sanibel Island, einer schönen naturbelassenen Insel westlich von Fort Meyers. Auf der Insel darf kein Haus höher sein als die höchste Palme, diese Vorschrift verwirrte seine Plüschigkeit. Was, wenn die höchste Palme umfiel, oder was wenn mal eine Palme 300m hoch wird? Können die Einwohner dann ihre Häuser aufstocken? Sehr seltsam, die Gesetze hier. Aber das hängt vielleicht irgendwie damit zusammen, dass hier viele CIA-Veteranen ihren Lebensabend verbringen. Nach ihren vielen Spionageeinsätzen sind sie vielleicht höhenkrank oder so. Wer weiß? Da spaziere ich doch lieber am Strand entlang, dachte der König. Gesagt – getan. 

Da knirscht der Sand zwischen den Zehen
Was der König nicht kennt, das isst er nicht











Den feinen weißen Sand an den Füßen spüren, die Haare im lauen Wind, das war was für ihn. Plötzlich sah er ein seltsames, schreckliches Tier und er wusste nicht wie er sich verhalten soll. Hinlegen, still verhalten, oder doch lieber schreiend auf das Ungetüm zu rennen? Glücklicherweise erlösten die Begleiter den kleinen Herrscher aus der misslichen Situation und erklärten ihm, dass dies ein ungefährlicher Pfeilschwanzkrebs sei, der keinen Plüsch frisst.
Bald kam die Gruppe zur Sanibel School, die laut Info-Tafel nur für weiße Kinder offen war. Schwarze mussten draußen bleiben. Darüber regte sich der König, der ja bekanntermaßen eine humanistische Erziehung genoss, dermaßen auf, dass ihm die Haare zu Berge standen und er kaum beruhigt werden konnte. 

Der König ist entsetzt
Erst als er sich beim Sanibel Lighthouse, dem Leuchtturm der Insel, verschiedene technische Apparaturen erklären ließ, ging es mit dem Blutdruck wieder in normale Höhen. Und als der König auf einem Schild las, dass es hier auch Krokodile gab, war die Sache mit der Schule auch schon wieder vergessen.
Da wird ihm schwindlig















Am nächsten Tag erkundete der König Anna Maria Island. Auch dieses noch etwas unbekannte Eiland liegt vor der Westküste Floridas. Und auch hier dürfen die Häuser nicht sehr hoch gebaut werden, 20,5 Meter, dann ist Schluss. Aber warum nur, warum? Egal, der König machte einen Spaziergang über die Uferpromenade und durch pittoreske Gassen. 

Warum rennt die Frau?
Beim Schlendern in der Sonne und Besuchen von verschiedenen Boutiquen mit den begleitenden Frauen verging die Zeit wie im Fluge. Es konnten einige Oberteile erstanden werden. Am Abend dann genoss er einen spektakulären Sonnenuntergang. Leider konnte er eine Sache nicht beobachten, dafür war er zu zeitig im Jahr dort auf der Insel: Im Mai kommen die vom Aussterben bedrohten bis zu 100 kg schweren Loggerhead Schildkröten (Caretta caretta) an den Strand. Dort buddeln sie ihre Nester in den Sand und legen ihre Eier ab. Ja, auch wenn es komisch klingt, Schildkröten legen Eier. Gern hätte der König dieses Schauspiel beobachtet, aber man kann nicht alles haben.



Himmelslinie von Miami

Miami, die größte Stadt Floridas wartete am nächsten Tag auf des Königs Visite. Richtig große Häuser, eine echte Skyline und ein Trubel wie in großen Städten eben üblich empfingen den König. Das gefiel ihm gut. Eine Fahrt in der Sonne über den Ocean Drive, die Arme lässig aus dem Autofenster hängend wie James Dean, das war auch ein schönes Erlebnis für den kleinen Herrscher.
An der Mole von Miami musste er sich vorsichtig und leise verhalten, dort war eine Schutzzone für Seekühe. Von diesen sagenumwobenen Getieren hatte er schon gehört, schob sie aber immer ins Reich der Fantasie ab. Sollte es sie wirklich geben? Der kleine König wartete einige Stunden am Ufer, nur eine Seekuh bekam er nicht zu Gesicht. Später, zu Haus, erfuhr er aus dem Internetz mit automatischer Übersetzungsfunktion:
Während der Wintermonate, Seekühe Kopf für warme Gewässer, wie Federn und Kraftwerk Entladungen. Für den Rest des Jahres sind Seekühe breit gestreut.
Aha, dachte er.

Manatee












Aber noch war er in Florida, und dort sollte am nächsten Morgen der Höhepunkt der Tour für den König stattfinden: Eine Fahrt in die Everglades mit so einem Boot, das aussieht wie ein flachgelegter Helikopter. Der König war sehr aufgeregt.

Propellerboot im Ruhezustand
 Schon früh um vier ging es los, die Fahrt nach Everglades City war lang. Endlich angekommen, empfing Käpt'n Ken die königliche Delegation. Der König sprach den Kapitän auf Barbie an, bekam aber nur verständnislose Blicke zur Antwort. So ließ seine Plüschigkeit das Thema ruhen, um nicht den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen zu werden.

Clara und Ken
Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung konnte sich der König in das Gefährt setzen und wenig später später ging es los. Der Nationalpark Everglades ist eine einmalige subtropische Heimat für unzählige Tier- und Pflanzenarten. So erfuhr der König, dass hier die mysteriöse Seekuh, das amerikanische Krokodil und auch der seltene Florida-Panther leben sollen. Der König war da etwas skeptisch und dachte an die Seekuh-Pleite in Miami. Und er war sehr beruhigt als er erfuhr, dass von den 27 hier vorkommenden Schlangenarten nur vier giftig seien. Puh, Glück gehabt. Käpt'n Ken fuhr kreuz und quer durch Kanäle, die links und rechts dicht mit Mangroven bewachsen waren. Einige Krokodile und viel Federgetier säumten die Ufer, wohl auch um den Herrscher aus Europa zu sehen.
In den undurchdringlichen Sümpfen
Nach der rasanten Fahrt durch diese einmalige Landschaft gab es am Abend noch ein Ehrendiner für den König bei seinen Gastgebern. Auch die Begleitung war geladen und haute ordentlich rein.










Letzter Ausflugstag, wieder eine lange Fahrt, diesmal nach Orlando zu den Universal Studios und Adventure Island mit den Kulissen der Harry Potter Geschichten. Allerdings waren das Sachen, die den kleinen Herrscher nicht sonderlich interessierten. Hogwards, Winkelgasse und Hogsmeade sagten ihm nicht viel. 

Schön schief

Lediglich die Fahrten mit den Achterbahnen und Karussellen erfreuten des Herrschers Herz. Der König zeigte aber den ganzen Tag seine professionelle Freundlichkeit, auch um die Gastgeber nicht zu enttäuschen.
Am Strand von Ford Meyers erholte sich der König am letzten Reisetag von den doch strapaziösen Ausflügen. Mit dem Feldstecher beobachtete er viele Wasservögel. Bei einem schönen Bade entspannte sich der König und ließ beim Schlummern im Liegestuhl die schönen Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren.
Ich beobachte nur Vögel!














Der Rückflug nach Europa zog sich dann auch wieder endlos hin, und endlich in Barcelona angekommen stellte sich heraus, dass der Reiseleiter keine Tickets nach Deutschland hatte. Da wurde dem König recht mulmig zumute und seine Stimme bekam ein gewisses Vibrato. Sollte er etwa hier in der spanischen Provinz bleiben? 

Sand in den Augen von Florida
Aber er schluckte tapfer die Tränen hinunter und sprach höchstselbst beim Flughafenleiter vor, der ihm eiligst Tickets für ihn und seine Begleitung besorgte. Na also, geht doch, dachte der König zufrieden.
Seine Plüschigkeit möchte sich auf diesem Wege bei seiner Reisebegleitung für die schönen Tage bedanken. Geschenke gibt es aber keine.